Alles im Fluss – Diskussion über Entwicklungen im Projektmanagement

Das vergangene Wochenende stand vor der Tür – statt entspannender Erholung gab es anregende Information – ein Wochenende in Barcelona.

Barcelona am Passeig de Gràcia

Barcelona am Passeig de Gràcia

Erster Programmpunkt: Ein Treffen mit Frank Bergmann und Klaus Hofeditz vom Management-Team unseres Partners ]project open[. Für alle, die ]project open[ noch nicht kennen, hier ein Zitat der Webseite: „Die Haupttätigkeit des Unternehmens besteht in der Entwicklung eines Open-Source-Modells, um Business Lösungen für kleine und mittelständische Projektorganisationen bereitzustellen.“ Aber was bedeutet das – Business Lösungen für Projektorganisationen? Es handelt sich um eine gelungene Kombination von ERP- und Projektmanagementsoftware. Meiner Ansicht nach ist dies die beste Lösung für PMOs und übergeordnete Projektkoordination, die derzeit am Markt ist. Sie ist flexibel einsetzbar, individuell konfigurierbar und an jede Umgebung anpassbar. Den Passus mit den kleinen und mittelständischen Projektorganisationen sollte man nicht zu sehr auf die Goldwaage legen, denn die Lösung wird mittlerweile auch bei großen Kunden aus der Finanzbranche eingesetzt.

Aber genug der Worte zur Software. Wir treffen uns bei strahlendem Sonnenschein am Passeig de Gràcia. Es herrscht ein munteres Treiben; Sitzplätze im Freien sind keine zu haben. Schnell ist die Entscheidung zugunsten eines Indoor-Getränks (namens Cerveza) gefallen und wir sind in eine spannende Diskussion vertieft. Im Rahmen dieses Gesprächs fragt Frank, was meiner Meinung nach die fünf Top Themen des Projektmanagements in den kommenden Jahren sein werden.

Eines fällt mir sofort ein, denn das ist heute schon ein Top-Thema, aber teilweise noch nicht als solches identifiziert:

1. Die projektübergreifende Ressourcenplanung

Immer wieder habe ich folgendes in Unternehmen erlebt: Alle machen und tun, Arbeit ist in Hülle und Fülle vorhanden, aber nichts wird fertig.  Es gibt massenhaft Projekte, aber wer wann was erledigen sollte, damit alles rund läuft, ist unklar. Ich glaube, dass nur Unternehmen die ihre Ressourcen optimal nutzen, künftig noch eine Rolle spielen werden. Alle anderen werden früher oder später vom Markt gedrängt. Grundlage für die optimale Ressourcennutzung ist eine Software, mit der entsprechenden Funktionalität, die an die Bedürfnisse der Unternehmen anpassbar ist.

2. Das saubere Multiprojektreporting

Wichtige Managemententscheidungen müssen auf Grundlage gesicherter Daten getroffen werden. Natürlich gibt es Bauchentscheidungen und das hat sicher auch lange gut funktioniert. Aber warum? Der frühere Patriarch war ein Kenner seiner gesamten Branche. Die Mitarbeiter hatten lediglich ausführende Funktion. Das gibt es in unserer heutigen, von enormer Komplexität und rasanten technischem Fortschritt geprägten Welt nicht mehr. Der Entscheider kann nicht mehr den Überblick über alle Bereiche behalten. Für das Unternehmen wirtschaftlich relevante Entscheidungen, sollten deshalb zunehmend weniger subjektiv von Einzelnen getroffen werden.

Soweit unsere Diskussion in Barcelona. Der Nachmittag war vorbei und abends hatten wir alle etwas vor. Was mich betrifft, so begann das Steinbeis Alumni-Treffen, das mir im Laufe des Wochenendes nette Bekanntschaften, eine Fülle von Insiderinformationen über die spanische Wirtschaft, exzellente Tapas, guten Rotwein sowie jede Menge Spaß bescheren sollte.

Aber noch fehlen drei weitere Themen für die „Big Five“ des Projektmanagements in den kommenden Jahren. Nach reichlicher Überlegung habe ich mich für folgende Punkte entschieden:

3. Ein Einklang von Unternehmensentwicklung und Projektorientierung

Was bedeutet das,  und was hat dies mit Projektmanagement zu tun? Die Unternehmen müssen sich zunehmend flexibel zeigen. Schnelle Antworten auf Kundenwünsche werden erwartet. Schnelle Reaktionen auf Marktänderungen sind für Unternehmen überlebensnotwendig. Das lässt sich durch die Einführung projektorientierter Strukturen bewerkstelligen. Hier sind wir bei der Organisationsentwicklung. Dies wird von den Unternehmen meist unbewusst vollzogen. Komplexe Aufgaben lassen sich zudem in Linienorganisationen kaum noch optimal bewältigen. Etwas funktioniert nicht oder dauert zu lange. So kommen Unternehmen automatisch zur Projektarbeit. Besser wäre allerdings die Unternehmensentwicklung – sprich Umsetzung der Strategie – wissentlich mit der Organisationsentwicklung zu koppeln und beides aufeinander abzustimmen. Unternehmen, die das berücksichtigen, werden in den kommenden Jahren nicht das Futter im Haifischbecken darstellen.

4. Die Integration von Social Media in das Projektleben

Vielleicht nennen wir es besser moderne Kommunikation? Viele Projektmitarbeiter verbringen einen erheblichen Teil ihrer Zeit in der Welt der Social Media wie Twitter, Facebook und Co. Die strikte Trennung zwischen privater und beruflicher Nutzung der neuen Medien in der Informationsgesellschaft ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Viele Personen sind heute besser über ihre Mail oder den Chat in Facebook zu erreichen, als über andere Mailadressen. Diese Entwicklung birgt auch Chancen, wenn man den Trend zu nutzen weiß. Die Integration der Social Media in die Projektarbeit wird viele Vorteile bringen. Es gibt bereits erste Projekte, die komplett über Facebook bearbeitet werden!

5. Die Ausrichtung des Projektmanagements auf Nachhaltigkeit

Welche Bedeutung kommt dem Schlagwort „Nachhaltigkeit“ im Zusammenhang mit der Projektarbeit zu? Wir befinden uns in einer Innovations- und Wissensgesellschaft. Deutschland ist arm an Rohstoffen. Unsere Rohstoffe sind Wissen und Kompetenz, was sich in einer starken Innovationskraft äußert. Der Vorsprung auf diesem Gebiet muss aufrecht erhalten und nach Möglichkeit ausgebaut werden. Warum diese Zuspitzung? Ganz einfach: Wenn dieser Vorsprung nicht mehr vorhanden sein wird, werden wir mit Billiglohnländern nicht länger konkurrieren können. Und wer von uns hat ein gesteigertes Interesse daran, derartige Produktionsbedingungen zu kopieren? Innovation erfordert jedoch Wissen und Kompetenz  deren Träger Menschen sind. Deshalb  müssen wir einerseits dafür sorgen, dass Wissen und Kompetenz mit geeigneten Mitteln weiter aufgebaut werden. Zum anderen muss verhindert werden, dass genau diese Know-How-Träger nicht ausbrennen. Dies bewirken drei zentrale Themenfelder: Wissensmanagement (Wie kann ich Wissen sammeln und so aufbereiten, dass es für alle Projektmitarbeiter optimal einsetzbar ist?), Weiterbildung (Wie kann ich gewährleisten, dass die Kompetenzen der Mitarbeiter stetig ausgebaut werden und lebenslanges Lernen Realität wird? Welche neuen Lernformen gibt es dafür?) und Project-Life-Balance (Wie kann sicher gestellt werden, dass in einer Welt der ständig zunehmenden Beschleunigung die Projektmitarbeiter ihre Batterien wieder aufladen können?).

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Über Anke Heines

Vielleicht muss man einen an den Sternen geschulten Weitblick entwickeln (Anke hat als Physikerin in der astronomischen Forschung gearbeitet), um die Arbeitswelt so klarsichtig durchdringen zu können wie Anke das macht. Wertvernichtung, Zeitverschwendung und Bevormundung sind ihr ein Gräuel. Sie setzt dagegen auf Selbstorganisation, Sinn in der Arbeit und Eigenverantwortung. Wenn Anke in Unternehmen auf Partner trifft, die bereit sind sich in Bewegung zu setzen, ist sie in der Lage, gemeinsam mit ihnen völlig neue Formen wertschöpfender und wertschätzender Zusammenarbeit hervorzubringen. Das hat jüngst die Verleihung des Sonderpreises des New Work Award an den von ihr betreuten Maschinenbauer HEMA bewiesen. Und das hat Anke auch auf die Fahnen Ihrer LEADaktiv UG geschrieben: Wertvolles durch Wandel weiterhin wertvoll erhalten.
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